Gedanken zum Welttierschutztag am 4. Oktober 2019

Mensch und Tier sind gleicherweise Geschöpfe Gottes. Was jedoch den Menschen über das Tier hinaus hebt, ist seine Fähigkeit, die Welt geistig zu erfassen und ihren Sinn zu deuten. Von Anbeginn spielte dabei auch das Tier, das ihm als Begleiter zugesellt war, eine wichtige Rolle. Es erschien als ein Lebewesen, das ebenso wie der Mensch den Gesetzen von Werden und Vergehen unterworfen war. Doch in der Art und Weise seines Umganges mit ihm spiegelte sich zugleich der Stand seiner Kultur. Das Gefühl der Verbundenheit mit den Geschöpfen, ein Empfinden für sie und das Bewusstsein, für ihr Wohl und Wehe verantwortlich zu sein, entwickelte sich freilich erst allmählich. Es fand jedoch Ausdruck in der Verkündigung von Sehern und Propheten, deren Mission darin bestand, den Menschen seiner wahren Bestimmung zuzuführen.

Dieses Bestreben begann mit dem persischen Religionsstifter Zarathustra, bei dem erstmals der Gedanke der Barmherzigkeit aufkam, die auch dem Tier galt, und erhielt seine Ergänzung in dem indischen Kaiser Asoka, der Mensch und Tier in gleicher Weise Hilfe angedeihen ließ. Es setzte sich fort in Vertretern des Christentums wie Tertullian und Basilius dem Großen und erreichte einen Höhepunkt in der Gestalt des Franz von Assisi, der in jedem Geschöpf den Bruder sah und die geschwisterliche Verbundenheit mit allen Kreaturen bekundete. In neuerer Zeit waren es Philosophen wie Arthur Schopenhauer und Jeremy Bentham, die das Tier als ein Geschöpf, das ebenso wie der Mensch Schmerzen und Leiden zu empfinden vermag, vor Augen stellten, und ihm ein eigenes Lebensrecht zuschrieben. Mit Arthur Broome entfaltete sich der Gedanke des Tierschutzes im modernen Sinn und wurde erstmals in die Tat umgesetzt. Hans Lassen Martensen und Albert Schweitzer gaben dem Begriff der Ethik eine erweiterte Dimension und erstreckten ihn über den Menschen hinaus auf alle Kreaturen. Ihr Verständnis von Humanität gipfelte in dem Postulat von der Ehrfurcht vor dem Leben.

Denker und Dichter, Künstler und Gelehrte, Forscher und Philosophen erweckten durch ihr Wort und Werk das Mitempfinden für die Geschöpfe und erhoben ihre Stimme als Anwälte und Fürsprecher der Tiere. Inmitten einer Welt des Unverstandes und der Unbarmherzigkeit riefen sie das Gewissen des Menschen auf zu menschenwürdigem Handeln an der Kreatur. Erfüllt von dem Gedanken, dass Mensch und Tier von dem gleichen Lebensatem beseelt sind, wurden sie zu Vorkämpfern für ein neues Verständnis der Humanität. Sie trugen dazu bei, die Beziehung zwischen Mensch und Tier zu vertiefen, die Verantwortung für die Schöpfung im Bewusstsein zu verankern, der Ausbeutung und dem Missbrauch des Tieres Einhalt zu gebieten und die Schonung aller Kreatur zu fördern. Damit wurden sie zu Wegbereitern einer Zeit von der Albert Schweitzer sagte, dass in ihr „Liebe und Barmherzigkeit für unsere Mitgeschöpfe nicht mehr belächelt werden, sondern die Welt ihren tiefen Sinn zu begreifen beginnt."

Lieselotte Eltz

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