Leise Wiederkehr

Bis in die Mitte des 20.Jahrhunderts als Raubtiere verschrien und durch starke Bejagung vielerorts quasi ausgerottet, kehrt sie nunmehr auf leisen Pfoten wieder zurück: Die europäische Wildkatze.
In Österreich bis in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts im Alpenvorland Nord-, Ost- und Südösterreich beheimatet, wurde der Bestand stark dezimiert und gilt seither in unseren Landen als verschollen. Doch nunmehr kann der Nationalpark Thayatal - ganz im Norden unseres Landes gelegen - mit einer besonderen Sensation aufwarten. Eine kleine Gruppe von Wildkatzen ist nachweislich ins Waldviertel zurückgekehrt!
Deshalb wurde vor einigen Wochen ein Wildkatzen-Aktionsplan erstellt, der festlegt, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit die Wildkatze wieder in gesicherter Population durch unsere Wälder streift.
Die Wildkatze lebt ausschließlich in ruhigen und intakten Wäldern mit Altholzbestand. Nur dort findet sie alte Baumhöhlen, Fuchs- oder Dachsbauten, die sie für die Aufzucht ihrer Jungen benötigt. Nur in ruhigen Wäldern kann das scheue Tier ungestört jagen. Die Wildkatze gilt deshalb auch als Indikator, an dem gut festzustellen ist, ob ein Wald wirklich naturnah ist.
Vielerorts ist sie auch tagaktiv, in dichter besiedeltem Gebiet ist sie allerdings zur Nachtaktivität übergegangen. In Deutschland leben, dank intensiver Bemühungen, bereits wieder 5000 Wildkatzen; in der Slowakei rund 1000 und in Slowenien sogar mehr als 2000 Tiere. Nun hoffen Biologen und Naturschützer gleichermaßen auf eine Art „Völkerwanderung“, die für eine gesunde, genetische Durchmischung sorgen würde. Das Thayatal mit seinen bewaldeten Hängen und Plateaus, den eingestreuten Wiesen und Trockenstandorten bietet für eine Neuansiedlung geradezu ideale Voraussetzungen.
Wie fast alle Katzenarten führt die wilde Samtpfote ein vornehmlich einzelgängerisches Leben und ist meist ortstreu. Sie ist eine Pirschjägerin, die ihre Beute unbemerkt anschleicht und durch einen Überraschungsangriff erlegt. Wildkatzen wagen sich dabei nur in Ausnahmefällen auf offenes Gelände ohne Deckung. Ihre sehr hoch entwickelten Sinnesorgane, welche z.B. denen des Hundes weit überlegen sind, und ihre als
hoch eingestufte Intelligenz lassen sie natürliche Gefahren frühzeitig erkennen und machen sie damit auch zu einer sehr erfolgreichen Jägerin.
Die Größe ihres Reviers richtet sich jeweils nach dem Angebot an Beutetieren und beträgt 2 bis 9 Quadratkilometer. Männchen beanspruchen dabei in der Regel mehr Platz als die Weibchen. Die Paarungszeit fällt in die Monate Januar bis März. Die Tragzeit beträgt ca. 9 Wochen und in einem sicheren Versteck wirft das Weibchen bis zu vier Junge. Mit sechs bis acht Monaten suchen sich die Jungtiere dann ein eigenes Revier. Ihre Sterblichkeit ist allerdings recht hoch. Die Stärksten werden unter optimalen Bedingungen aber dann zwölf bis fünfzehn Jahre alt.
Wenn es bei uns gelingt, eine Population von über 100 Tieren anzusiedeln, wäre es in einer Zeit des Artensterbens dennoch möglich, eine in Österreich als ausgestorben geltende Art wieder bei uns heimisch zu machen!

Und darüber freut sich herzlichst
Ihr
Günther Mayrhofer