Eine hundert Meter lange Wohnung

Der Europäische Dachs wurde zum Wildtier des Jahres 2010 ausersehen.
Dachse sind zwar in ihrem Bestand nicht gefährdet, trotzdem wollte man mit dieser Ernennung diesen weitgehend unbekannten Säuger bekannter machen.
Dachse sind nachtaktive Tiere und gehören zur Familie der Marderartigen. Verwandte Arten des Europäischen Dachses gibt es in Südwesteuropa seit ungefähr 5 Millionen Jahren. Auf Grund der markanten schwarz-weißen Kopfzeichnung gehört er zu den auffälligsten Säugetierarten. Die Vorderbeine des Raubtieres sind mit langen starken Krallen ausgestattet, die zum Graben bestens geeignet sind. Wegen der Nachtaktivität und der unterirdischen Lebensweise bekommt man diesen ca. 75 cm langen Räuber aber nur selten zu Gesicht.
Während des Tages schlafen Dachse in ihren unterirdischen Bauten, die mit Moos, Gras und Ähnlichem ausgekleidet werden. Die Wohnkessel reichen bis zu fünf Meter tief und stehen durch ein Röhrensystem mit der Außenwelt in Verbindung. So wird eine ausreichende Luftzufuhr geschaffen. Im Laufe der Zeit werden die unterirdischen Wohnungen von Generation zu Generation erweitert, so dass das System hunderte Meter lange Gänge und zahlreiche Wohnkessel umfassen kann.
In Österreich sind Dachse bei Vorhandensein geeigneter Wälder weit verbreitet. So findet man den Säuger vorzugsweise in Laub- und Mischwäldern, aber auch in Parks und in heckenreichen Feldfluren. Dachse sind revierbezogen und leben in sozialen Gruppen, die gemeinsam ein Territorium, das durch zahlreiche Markierungsstellen gegen andere Gruppen abgesetzt ist, beanspruchen. Soziale Körperpflege, gegenseitiges Markieren und eine lebenslange Ehe sind ein Hinweis auf ein ausgeprägtes Sozialverhalten.
Dachse werden mit einem Jahr geschlechtsreif. Die Hauptpaarungszeit liegt im Juli/August und nach einer Tragzeit von 6-8 Monaten werden dann zwei bis sechs Junge geboren, die nach der ersten Winterruhe den elterlichen Bau verlassen. Von den Dachsen weiß man, dass ehemalige Gruppenmitglieder sich oft in unmittelbarer Nähe ihres " Geburtsbaues" ansiedeln können. Trotz strenger, territorialer Abgrenzung zu anderen Dachsbauten, ist es in so einem Fall nicht schlimm, wenn sie dann als " Besucher" in ihren alten Bau eindringen. Die Tiere erkennen sich lebenslang an ihrem individuellen Geruch und werden als " Eindringlinge" akzeptiert.
Wichtig für den Bau ist der Boden. Felsiger Untergrund oder lockerer Sand sind ebenso ungeeignet wie Grundwasser- oder überflutungsgefährdete Regionen. Bei schlechter Verfügbarkeit von Regenwürmern weicht der Dachs auf andere tierische oder pflanzliche Nahrung aus. An ackerbegleitenden Wegen findet er Früchte wie Süßkirschen und vermehrt Feldmäuse. Mais, Äpfel und Walnüsse, Wildkaninchen, Nackt- und Gehäuseschnecken, Hummeln und Wespen, Lauf- und Mistkäfer wie auch Grasfrösche ergänzen sein Nahrungsspektrum. Im Winter fressen Dachse weniger bis über Monate gar nichts. Dabei hilft ihnen eine Art Dämmerzustand (kein Winterschlaf!), aus dem sie auch leicht geweckt werden können. Trotz der Gefahr durch den Straßenverkehr bei dem vor allem Jungtiere auf der Suche nach neuen Revieren zu Opfern werden, gilt die Art als nicht gefährdet. Da Dachse aber auch in unmittelbarer Nähe zum Fuchs leben, stellen leider auch tollwutmotivierte Abschüsse eine gewisse Gefährdung der Art dar.
Wie bereits Eingangs erwähnt, sind Dachse wegen ihrer Nachtaktivität relativ unbekannt und so erscheint die Ernennung zum "Tier des Jahres" für den Dachs geeignet, ihm zu einem höheren Bekanntheitsgrad zu verhelfen.

Herzlichst
Ihr
Günther Mayrhofer

Präsident