Liebe Tierfreunde,

leider ist die in den letzten Tierschutzbriefen von mir geschilderte, äußerst prekäre finanzielle Situation des Vereines nach wie vor aktuell. Die jetzt vorliegende Rechnung für das Jahr 2011 hat, wie befürchtet, neuerlich einen erheblichen Abgang gebracht. Mein bereits am 10.10.11 an den zuständigen Politiker des Landes gerichtetes Ersuchen um einen dringenden Termin, verbunden mit einer ausführliches Schilderung der auch durch den Kontrollamtsbericht bestätigen Situation, hat erst am 15.2.12 zu einer ersten Besprechung auf Beamtenebene geführt. Die dort vereinbarten Verbesserungen sind zwar ein erster Schritt, können die Lage des Vereins grundlegend noch nicht entschärfen.

Nach den Bestimmungen des geltenden Tierschutzgesetzes ist das Land verpflichtet, Vorsorge zu treffen, dass entlaufene, ausgesetzte, zurückgelassene sowie von der Behörde beschlagnahmte oder übernommene Tiere an Institutionen, die eine artgerechte Verwahrung gewährleisten können, übergeben werden. Die vom Land und vom Verwahrer zu erbringenden Leistungen und das dafür vom Land zu entrichtende Entgelt sind vertraglich zu regeln. Der seinerzeit diesbezüglich im Jahre 2008 abgeschlossene Verwahrungsvertrag stellt zum Nachteil des Vereines ein krasses Missverhältnis zwischen Leistung und Entgelt dar, nämlich, dass die vom Land erbrachten Leistungen in keinem Fall die durch die Übernahme der Tiere entstehenden Kosten decken. So hat das Land 2010 insgesamt ca. 16.000.- € und 2011 ca. 13.000.- € Verwahrungskosten für alle in diesem Jahr von uns übernommenen und betreuten Tiere überwiesen.

Die von der Stadt Salzburg bezahlte Subvention in der Höhe von jährlich 50.000.-€  für die Betriebsführung mussten wir uns - leider vertragsgemäß - für die Kosten des Landes anrechnen lassen, wodurch wir in den letzten Jahren dem Land 200.000 € ersparen durften. Besondere Pikanterie ist, dass das Land die Bezahlung der von uns bewältigten Übernahme der 24 beschlagnahmten Welpen aus Kroatien nach 8-monatigem Schweigen plötzlich als nicht zum Verwahrungsvertrag gehörend ablehnte und erst nach unserem Einspruch eine als außerordentliche Subvention bezeichnete Zahlung leistete, die nur einen Bruchteil unserer tatsächlichen Kosten decken konnte. Offenbar ist man beim Land der Meinung, wir als privater Verein müssten bei bestimmten nicht näher definierten Beschlagnahmen sämtliche Kosten übernehmen. Bis heute hat man uns die Bekanntgabe der für die Bezahlung jetzt zuständigen Behörde und des der Beschlagnahme zugrunde liegenden Bescheides unter Hinweis auf „bestehenden Datenschutz“ verweigert. Diese Vorgangsweise werden wir mit Sicherheit nicht hinnehmen und die uns in voller Höhe zustehenden Kosten der Behördenaktion einfordern.
Leider will die Politik des Landes in keiner Weise anerkennen, dass wir als privater Verein den Betrieb des Heimes zur Erfüllung aller gesetzlichen Auflagen mit immensen Kosten nicht alleine finanzieren können. Wir stellen für die von den Behörden eingewiesenen und übergebenen Tiere das von uns errichtete Heim, das gesamte Pflegepersonal, Betriebskosten (Gas, Wasser, Strom), öffentliche Abgaben und laufende Erhaltungskosten sowie zahlreiche ehrenamtliche Helfer zur Verfügung. Dagegen will das Land lediglich für die Verwahrung der übernommen Tiere für einen Monat die Unterbringungskosten bezahlen, was in den überwiegenden Fällen nicht einmal die getätigten Aufwendungen  (Impfung, Entwurmung, medizinische  Behandlung, Fütterung) deckt, insbesondere auch deshalb, weil in  den meisten Fälle eine Vergabe des Tieres bereits innerhalb des ersten Monates nicht möglich gemacht werden kann. Die oben angeführten Beträge des Landes stellen in etwa 5% des gesamten Jahresaufwandes des Tierheimes dar, die Politik verlangt aber eine 100%ige Verfügbarkeit des Heimes für die von ihr ins Heim gebrachten Tiere. Wir hoffen daher weiter für ein entsprechendes Einsehen der Politik für die weiteren Verhandlungen. Es tut mir leid, dass ich Sie neuerlich über unsere schwierigen finanziellen Verhältnisse informieren muss, dies aber auch mit der Hoffnung auf Ihre weiter bestehende Unterstützung im Bestreben, den in Not geratenen Tieren tatkräftige Hilfe gewähren zu können.
Dazu kann ich Ihnen berichten, dass wir mit Unterstützung vieler Freunde und Helfer und unserem tüchtigen Tierheimteam im Jahre 2011: 70 Hunde, 199 Katzen, 50 Kaninchen und 45 Meerschweinchen an gute Plätze vermitteln konnten. Dazu kam die Betreuung zahlreicher verletzter Vögel.

In diesem Sinne werden wir weiterarbeiten, denn nach wie vor besteht eine positive, motivierende Aufbruchsstimmung im Tierheim.
Die zahlreichen Tieren vermittelten guten Plätze bestätigen uns, ebenso wie die vielen täglichen Besucher im Tierheim, dass wir im Sinne des Tierschutzes auf dem richtigen Weg sind!

Herzlichst Ihr
Dr. Eckehart Ziesel