Chronik des Tierheimes
Geschichte des Tierschutzvereines für Stadt und Land Salzburg

Der Tierschutzgedanke moderner Prägung hat seine Wurzeln in der Aufklärung, die im Sinne der Humanität ein sittliches Verhalten des Menschen gegenüber dem Tier forderte. Zu einem Bahnbrecher dieser Idee wurde der englische Philosoph Jeremy Bentham, der diese Forderung damit begründete, dass Mensch und Tier durch die gleiche Leidensfähigkeit miteinander verbunden sind. Im fortschrittlichen England, dem Ursprungsland der Aufklärung, gelang es im Jahre 1822 Richard Martin und Thomas Lord Erskine erstmals, ein Tierschutzgesetz im englischen Parlament durchzubringen, das als die sogenannten 'Martin’s Acte' in die Geschichte einging. Es bezog sich zunächst nur auf Pferde und Rinder, doch war damit der entscheidende Anfang gesetzt. Um dieses Gesetz zur Wirkung zu bringen, gründete im Jahre 1824 der englische Geistliche Reverend Arthur Broome den ersten Tierschutzverein der Welt. Als Königin Viktoria die Patronanz übernahm, erhielt die Vereinigung im Jahr 1840 den Namen 'Royal Society for the Protection of Cruelity to Animals'.
Der Gedanke, dass dem Tier eine menschenwürdige Behandlung zustehe und es vor Misshandlungen geschützt werden müsse, griff bald auf den Kontinent über, und bereits im Jahr 1837 wurde in Stuttgart der erste deutsche Tierschutzverein gegründet. Sein Organisator war der protestantische Pfarrer Albert Knapp, der damit zum 'Vater der deutschen Tierschutzbewegung' wurde. In der österreichisch-ungarischen Monarchie bildete sich im Jahr 1845 erstmals in Linz ein 'Verein gegen Tierquälerei' für die Gebiete von Oberösterreich und Salzburg.
Nach der Erhebung Salzburgs zu einem eigenen Kronland wurde am 30. September 1896 der 'erste selbstständige Salzburger Tierschutzverein' gegründet, dem Wilhelm Freiherr von Blittersdorff als Präsident vorstand.
Der tierschützerische Einsatz galt zunächst den geschundenen Zugpferden und dem Schlachtvieh, das während des Viehtriebes den ärgsten Misshandlungen durch rohe Treiber ausgesetzt war. Die Aufmerksamkeit der ersten Salzburger Tierschützer galt ferner den in der Stadt vielfach frei herumlaufenden Hunden, von denen nicht wenige dem 'Wasenmeister' zum Opfer fielen, der sie erbarmungslos einfing und auf wenig humane Art tötete. Dem Salzburger Tierschutzverein gelang es zwar, manche Verbesserungen bei der Behandlung der Tiere zu erwirken, doch waren seine Möglichkeiten, das Tierleid zu lindern, noch sehr begrenzt.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der allgemeinen Notlage traten jedoch die Belange des Tierschutzes in den Hintergrund. Erst nach dem Kriegsende konnte sich die Tierschutzidee erneut entfalten. Namhafte Persönlichkeiten wie Robert Reuter, Eduard Paul Tratz, Julius Poletti und Bernhard Paumgartner, die sich für das Wohl der Tiere einsetzten und als Präsidenten des Tierschutzvereines tätig waren, verhalfen dem Verein zu Ansehen und Geltung. Nun wurden ehrenamtliche Tierschutzinspektoren eingesetzt, in verstärktem Maß Öffentlichkeitsarbeit betrieben und ein grosser Teil der Lehrerschaft für die Verbreitung des Tierschutzgedankens in den Schulen gewonnen. Die Salzburger Bevölkerung zeigte sich bereits damals als tierliebend und für die Idee des Tierschutzes aufgeschlossen.
Schon früh war bei den Salzburger Tierschützern der Wunsch nach Errichtung eines eigenen Tierheimes aufgekommen, denn nur auf diese Weise bestand die Möglichkeit den Tierschutzgedanken auch in die Praxis umzusetzen. Dieses Ziel konnte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklicht werden. Es war das grosse Verdienst des ehemaligen Tierarztes und späteren Chefredakteurs des 'Salzburger Volksblattes' Hans Menzel, durch seinen persönlichen Einsatz und öffentliche Werbung die finanziellen Voraussetzungen für den Bau eines Tierheimes geschaffen zu haben.
Schliesslich konnte am 11. April 1970 das neu errichtete Tierheim in Salzburg-Maxglan eröffnet werden.
Inzwischen hatte der Tierschutzgedanke einen beachtlichen Aufschwung genommen und sich mehr und mehr im Bewußtsein der Allgemeinheit verankert.
Diese Entwicklung fand auch Ausdruck in einem Salzburger Landestierschutzgesetz. Es bedeutete einen entscheidenden Fortschritt, dass der Tierschutzverein nunmehr als soziale und caritative Einrichtung anerkannt wurde. Im Zusammenhang damit wurde dem Tierschutzverein für Stadt und Land Salzburg die Schutzverwahrung der Tiere übertragen, mit der er zugleich eine wichtige Aufgabe der öffentlichen Hand übernahm.

In den vergangenen drei Jahrzehnten leistete der Tierschutzverein für Stadt und Land Salzburg einen bedeutenden Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit und zur Verhinderung von Tierelend. Herrenlose, ausgesetzte, misshandelte oder von ihren Besitzern verlassene Tiere fanden im Tierheim eine Unterkunftsstätte, wo sie versorgt, gepflegt und liebevoll betreut wurden. Das Tierheim war jedoch keineswegs als Daueraufenthalt für die Tiere gedacht, sondern der Tierschutzverein war vielmehr bestrebt, die herrenlosen Tiere an neue tierliebende Besitzer zu vermitteln und ihnen damit wieder eine Heimstatt zu geben. So konnten innerhalb eines Jahres durchschnittlich 1200 Tiere vergeben werden, die auf diese Weise vor einem traurigen Schicksal bewahrt und einem neuen Leben zugeführt wurden. Somit wurden in einem Jahrzehnt rund 12.000 Tiere und seit dem Bestand des Tierheimes insgesamt etwa 36.000 Tiere vermittelt. Bei der Vergabe übte man große Sorgfalt, und um das Wohlergehen der Tiere zu sichern, wurden ihre neuen Plätze sorgfältig kontrolliert. Nicht zuletzt kam dem Tierheim auch darin eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu, als hier Tiere bei vorübergehender Abwesenheit ihrer Besitzer, sei es in Krankheitsfällen oder während des Urlaubs, Aufnahme und Betreuung fanden.
Der Tierschutzverein begnügte sich jedoch nicht allein mit der Rettung, Versorgung und Vermittlung von Tieren, sondern übernahm auch andere Aufgaben im Sinne der Förderung des Tierschutzgedankens. So wurden ausgebildete Tierschutzwacheorgane zur Überwachung artgerechter Tierhaltung und zur Aufdeckung von Tierquälereien eingesezt.
Führungen von Schulklassen durch das Tierheim trugen dazu bei, das Verständnis für das Tier bei der Jugend zu wecken und mit seinem Umgang vertraut zu machen. Ferner wurde durch die regelmäßige Herausgabe des Tierschutzbriefes die Öffentlichkeitsarbeit vorangetrieben und die Allgemeinheit mit aktuellen Fragen des Tierschutzes bekannt gemacht. Weitgehend wurde so der grundsätzlichen Zielsetzung des Tierschutzvereines Rechnung getragen.
Nach drei Jahrzehnten seines Bestehens bedurfte jedoch das Tierheim infolge von Abnutzungserscheinungen und inzwischen aufgetretener Mängel und Schäden einer grundlegenden Sanierung. Daher wurde ein Neubau nach modernen Gesichtspunkten geplant. Mit Unterstützung von Stadt und Land Salzburg konnte die Errichtung eines neuen Tierheimes durchgeführt werden, das auch den Anforderungen des novellierten Salzburger Tierschutzgesetzes von 1999 mit seinen Quarantänebestimmungen entspricht. Nach Fertigstellung des Neubaues wurde am 30. Oktober 2002 die offizielle Eröffnung vorgenommen. Mit der Entstehung des neuen Tierheimes, unter dem Präsidenten Günther Mayrhofer, das dem Anspruch Salzburgs als Kulturstadt angemessen ist, wurde zugleich ein Zeichen für das wachsende Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung gegenüber dem Tier gesetzt.

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